Beachvolleyball ist olympisch
Beachvolleyball ist eine olympische Sportart, bei der Deutschland in der Vergangenheit schon sehr viele Erfolge nachweisen konnte: Beginnend mit dem Olympiasieg von Julius Brink und Jonas Reckermann 2012 in London, über den Olympiasieg von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst 2016 in Rio de Janeiro und den Gewinn der Beachvolleyball-WM 2017 in Wien, hat sich die Beachvolleyball-Landschaft stark entwickelt. 2016 wurde der erste Beachvolleyball-Verein in Thüringen gegründet, „Sonne im Paradies“ in Jena. Der ehemalige Beachvolleyball-Profi Lars Flüggen, der auch an den Olympischen Spielen 2016 teilnahm und 2017 Beachvolleyballer des Jahres wurde, hat sich mit seiner Familie in Weimar niedergelassen und spielt seit zwei Jahren auch beim SVV Weimar Hallenvolleyball in der Thüringenliga. Eine weitere erfolgreiche Beachvolleyballspielerin Julia Großner, gebürtige Weimarerin, gewann 2017 die Europameisterschaft. Darüber hinaus zeigen sich im Thüringer Volleyball-Verband erfreuliche Entwicklungen der Mitgliederzahlen und Turniere im Volleyball insgesamt und im Beachvolleyball im Besonderen (siehe folgender Abschnitt).
Auf der anderen Seite können wir in Thüringen aktuell Beachvolleyball nicht leistungsorientiert und ganzjährig ausbilden. Auch wenn Athlet:innen am Sportgymnasium Erfurt an Beachvolleyball-Turnieren teilnehmen, liegt der Fokus klar auf Hallenvolleyball. Darüber hinaus gibt es in Thüringen aktuell keine Möglichkeit, ganzjährig Beachvolleyball zu trainieren, da keine Beachvolleyball-Halle existiert, die ganzjährig und vor allem im Winter genutzt werden kann. In einem späteren Abschnitt gehen wir auf uns bekannte bisherige Bemühungen und ehemalige Hallen an.
Unser Kernziel besteht also darin, einerseits im Breitensport neue Möglichkeiten für eine bereits ziemlich große und weiter wachsende Community an Beachvolleyball-Spieler:innen zu schaffen, auch im Winter ihrem Hobby nachzukommen. Als zweites Kernziel möchten wir erreichen, dass wir in Thüringen endlich leistungsorientiert Beachvolleyball-Spieler:innen im Nachwuchs ausbilden können. Dazu ist es notwendig, vor allem Trainings- und auch Wettkampfmöglichkeiten über den Winter zu schaffen. Gerade für Schüler:innen ist es nicht möglich, regelmäßig im Winter eine der existierenden anderen Beachvolleyball-Hallen in anderen Bundesländern (z. B. Sachsen – Leipzig) zu nutzen. Diese beiden Ziele sollen verknüpft werden mit dem Aufbau einer entsprechenden Betriebs- und Vereinsstruktur.
Entwicklung des Beachvolleyballs in Thüringen
Die Mitgliederzahlen im Thüringer Volleyball-Verband haben sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt: In seinem letzten Bericht zur Mitgliederversammlung meldete der Verband, dass knapp 3.000 Mitglieder mehr in Thüringer Volleyball-Vereinen im Vergleich zum Vorjahr aktiv sind. In Abbildung 1 sind die Mitgliederzahlen seit 2017 abgebildet.

Neben dem Hallen-Volleyball hat sich auch der Beachvolleyball immer weiter entwickelt. So konnte man auch seit den offiziellen Aufzeichnungen der Beachvolleyball-Turniere einen zunehmenden Anstieg an angebotenen Turnieren, aber auch immer größere Anmeldungszahlen verbuchen.

Beachvolleyball und Hallenvolleyball
Nun könnte man sich noch fragen, ob Beachvolleyball-Athlet:innen nicht prinzipiell auch im Winter indoor Hallenvolleyball trainieren könnten. Dagegen sprechen einige Aspekte:
Dauer der Beachsaison ist zu kurz
Für Beachvolleyball braucht man aktuell in Thüringen ausreichend warmes Wetter, um spielen zu können. In der Regel werden die Beachplätze daher Anfang Mai eröffnet und sind bis Ende September bespielbar. Praktisch wird die Saison aber weiter verkürzt: Zunächst zieht sich die Hallensaison in den jüngeren Al-tersklassen bis in den Mai/Juni und beginnt anschließend schon oft im August. Aus diesem Grund ist der-zeit so, dass im Prinzip Hallen-Volleyballspieler:innen „nebenbei“ im Sand spielen und keine gezielte Aus-bildung im Sand möglich ist. Eine Beachhalle könnte hier einerseits eine ganzjährige Ausbildung, ande-rerseits aber auch gezielte Turniere über das gesamte Jahr gewährleisten.
Zwei Sportarten: Verschiedene Techniken – Verschiedene Taktiken – Verschiedene Anforderungen
Hinzu kommen einige sportliche Argumente: Beachvolleyball und Hallenvolleyball sind in der aktuellen Debatte klar zwei verschiedene Sportarten. Auch wenn es für Außenstehende ähnlich aussieht, haben wir unterschiedliche Pritsch- und Baggertechniken, andere Anläufe im Angriff durch den verschiedenen Untergrund, zusätzliche andere Techniken im Angriff aufgrund der unterschiedlichen Regeln hinsichtlich erlaubten Technikhandlungen, und andere Annahmetechniken. Auch taktisch sind es verschiedene Sport-arten, die sich mit der Saison 2025/2026 noch weiter verschärfen: So gibt es ab dann im Hallenvolleyball in der jüngsten Altersklasse nur noch 3 gegen 3 – statt 2 gegen 2 vormals – in der U12. Im Beachvolleyball gibt es – bis auf Spaßturniere – nur 2 gegen 2, das heißt, es gibt selbst keine Schnittmengen in der Taktik mehr. Auch darf man im Beachvolleyball während eines Spiels keine Wechsel durchführen, was in der Halle jedoch erlaubt und ein unbedingtes taktisches Mittel ist. Darauf ergeben sich wiederum auch Unterschiede an die Anforderungen hinsichtlich psychischer Fähigkeiten und Fertigkeiten, die and die Athlet:innen in den beiden Sportarten gestellt werden.
Weimar als zentraler Standort
Abschließend stellt sich nun noch die Frage, wieso wir Weimar als passenden Standort innerhalb von Thüringen vorschlagen. Aus unserer Sicht sprechen die folgenden Argumente für Weimar:
- Zentrale Lage: Weimar zeichnet sich innerhalb von Thüringen durch seine gute Lage und Erreichbarkeit aus, sowohl mit dem Auto als auch mit dem Zug. Insbesondere liegt Weimar aber strategisch clever zwischen dem Sportgymnasium in Erfurt und dem (noch) einzigen reinen Beachvolleyball-Verein Sonne im Paradies in Jena. Diese Lage ermöglicht es beiden Standorten an der Beachhalle zu partizipieren. Mit Fahrtwegen mit dem Zug von 12 min aus Erfurt und 15 min aus Je-na – zusätzlich zur dann hoffentlich nahen Positionierung zum Weimarer Bahnhof – sehen wir hier optimale Anreisemöglichkeiten für die leistungsorientiertesten Standorte in Thüringen. Auch liegt Weimar im Allgemeinen sehr zentral in Thüringen, sodass auch Interessierte aus anderen Beach-volleyball-Standorten wie beispielsweise – sortiert nach Relevanz – Gotha (Zug ca. 31 min, Auto ca. 45 min), Gera (Zug ca. 52 min, Auto ca. 57 min), Sömmerda (Auto ca. 32 min, Zug ca. 47 min), Pößneck (Zug ca. 56 min, Auto ca. 59 min) die Anlage in unter einer Stunde erreichen können. Dies ist ganz klar unser Hauptargument für die Standortwahl.
- Historie im Beachvolleyball: Wie bereits oben beschrieben, hat Weimar eine schon längere und erfolgreiche Tradition von erfolgreichen Beachvolleyball-Athlet:innen, wie beispielsweise der Olympionike Lars Flüggen oder die Europameisterin Julia Großner. Im nächsten Schritt sollte diese Tradition nun genutzt werden, um weitere zukünftige Olympioniken für Beachvolleyball zu begeistern.
- Kultur trifft auf Sport: Wenn nicht Weimar als Kulturhauptstadt, welche Stadt hätte dann die Möglichkeit, den Beachcampus mit Leben und Events zu füllen. Als Universitätsstadt mit besonderem Schwerpunkt auf Architektur und Musik hat Weimar den Vorteil, über eine bereits sehr diverse Kulturlandschaft zu verfügen, die dann auch dem Beachcampus einen Mehrwert bieten kann, beispielsweise durch Musikevents auf dem Beachplatz, dem Schaffen einer Strandatmosphäre oder sogar Festivals. Dadurch könnte der Beachcampus neben den sportlichen Aspekten auch eine neue kulturelle Anlaufstelle für Menschen aller Art werden und sie dabei ganz nebenbei für den Sport begeistern.
- Investition in Infrastruktur: Weimar hat aktuell – bis auf eine Ausnahme – nur vereinzelte Beachvolleyball-Plätze im Gegensatz zu den anderen Standorten in Erfurt/Neudietendorf und Jena. Daher gibt es bereits seit Jahren Bestrebungen, neue Infrastrukturen zu schaffen, die dann auch den vorhandenen Bedarf decken könnten. Ein klares Argument für einen Standort der Beachhalle und des Beachcampus insgesamt in Weimar ist daher, diese Infrastrukturen gemeinsam zu planen und demzufolge auch den Bedarfen im Sommer und Winter gerechter zu werden (siehe separate Ausführungen). In anderen Worten: In Weimar kann der Bedarf an Outdoor- und Indoor-Feldern zielgerichteter geplant und verbunden werden, was für die Finanzierung essenziell ist, da die Infrastruktur sowieso noch entstehen soll.
Beispiel eines Tagesablaufs von Marie

Marie wohnt in Kranichfeld, Mohrentaler Str. 61, und geht am Marie-Curie-Gymnasium, Bad Berka zur Schule. Das Training am Beachcampus ist in der Nähe des DEB Weimar, Buttelstedter Str. 90, Weimar.
Mit Aufenthalt Zuhause
| 07:09–07:36 | Schulweg inkl. Busfahrt |
| 08:00–15:15 | Schule (1. – 8. Std.) |
Nur ÖPNV (Bus, Zug)
| 15:27–15:57 | Schulweg inkl. Busfahrt |
| 15:57–15:58 | Zeit für HA (1min) |
| 15:58–17:33 | Weg von Zuhause zum Campus |
Mit Auto
| 15:20–15:36 | Fahrt von Schule nach Hause |
| 15:46–17:10 | Zeit für HA (1h 34min) |
| 17:10–17:45 | Fahrt von Zuhause zum Campus |
| 18:00–20:00 | Training |
Mit Aufenthalt im BeachCampus
| 07:09–07:36 | Schulweg inkl. Busfahrt |
| 08:00–15:15 | Schule (1. – 8. Std.) |
Nur ÖPNV (Bus, Zug)
| 15:20–16:03 | Schulweg inkl. Busfahrt |
| 16:03–17:45 | Zeit für HA (1h 45min) |
| – | – |
Mit Auto
| 15:20–15:44 | Fahrt von Schule zum Campus |
| 15:44–17:45 | Zeit für HA (2h 1min) |
| – | – |
| 18:00–20:00 | Training |
Das heißt, dass Marie selbst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mehr Zeit für Hausaufgaben hat, wenn sie direkt nach der Schule zum Beachcampus kommt, als wenn sie zwischendurch nach Hause geht und gefahren werden kann. Wenn sie nach Hause gehen würde und nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren muss, weil die Eltern in Schichten arbeiten oder mehrere Kinder zu Hobbys fahren muss, hat sie de facto weder Zeit für Hausaufgaben noch überhaupt einen sinnvollen Aufenthalt. Gerade für Familien aus sozioökonomisch schlechter gestellten Haushalten, die statistisch häufiger in Schichten arbeiten und mehr Kinder haben, ist das also eine klare Benachteiligung.
